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Urteil
Verdienstausfallschaden eines dauerhaft Verkehrsunfallgeschädigten: Schadenminderungspflicht bei Eintritt der Berufsunfähigkeit vor bzw während einer Berufsausbildung - Schadensberechnung und Beweiserleichterung

Gericht:

OLG Köln 3. Zivilsenat


Aktenzeichen:

3 U 211/97


Urteil vom:

17.12.1999


Orientierungssatz:

1. Wenn ein Geschädigter zum Unfallzeitpunkt eine Ausbildung zu einem gewünschten Beruf noch nicht begonnen hatte (hier: Architekturstudium) bzw eine entsprechende Ausbildung noch nicht weit fortgeschritten war, gebietet es die Schadenminderungspflicht, einen Beruf zu erlernen bzw eine Umschulung in einen Beruf vorzunehmen, in dem der Geschädigte trotz seiner Behinderung soweit wie möglich arbeiten kann.

2. Nimmt er gleichwohl eine Ausbildung auf bzw setzt er eine solche fort, obwohl absehbar ist, daß er in dem erlernten Beruf aufgrund seiner unfallbedingten Behinderung (hier: Hüftleiden) nie wird arbeiten können, ist ihm ein Verstoß gegen die Schadenminderungspflicht jedenfalls dann nicht vorwerfbar, wenn er sich zuvor mit seinem behandelnden Arzt beraten hat und dieser aus medizinischer Sicht keine Bedenken gegen die Ergreifung des gewünschten Berufes geltend gemacht hat, weil er zugunsten des Geschädigten eine (realistische) Heilungschance angenommen hat.

3. Der Geschädigte darf seinen Verdienstausfallschaden nicht abstrakt anhand der prozentualen Minderung der Erwerbsfähigkeit berechnen. Vielmehr ist der konkrete Schaden zu ermitteln, wobei dem Geschädigten aber die Beweiserleichterungen gemäß BGB § 252 S 2, ZPO § 287 Abs 1 zugute kommen. Er hat soweit wie möglich konkrete Anhaltspunkte für die Prognose bezüglich seiner voraussichtlichen beruflichen Entwicklung darzutun. Insoweit dürfen jedoch keine zu hohen Anforderungen gestellt werden. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, daß es in der Verantwortlichkeit des Schädigers liegt, daß der Geschädigte in einem frühen Zeitpunkt seiner beruflichen Entwicklung aus der Bahn geworfen wurde, woraus sich erst die besondere Schwierigkeit ergibt, nun eine Prognose über deren Verlauf anzustellen.

Rechtsweg:

Es liegen keine Informationen zum Rechtsweg vor.

Quelle:

JURIS-GmbH

Referenznummer:

KORE575722000


Informationsstand: 26.09.2000