Digitale Transformation

Die Umwandlung analoger Werte in digitale Formate, die informationstechnisch gespeichert, verarbeitet und verteilt werden können, bezeichnet man als Digitalisierung.

Der Begriff „Digitale Transformation“ geht einen Schritt weiter und beschreibt einen tiefgreifenden und nachhaltigen Wandel von Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft, der sich kontinuierlich weiterentwickelt.

Wesentliche Treiber des Wandels sind innovative Technologien sowie die Erwartungshaltung der Konsumenten und Konsumentinnen. Digitale Technologien sind leistungsstärker und schneller, wodurch neue Produkte, Dienstleistungen, Produktionsprozesse sowie Organisations- und Geschäftsmodelle entstehen. Gleichzeitig verändern sich die Kommunikationswege und Mediennutzung, die sich auf das Konsumverhalten und die Arbeitsweise auswirken. Konkret manifestiert sich der digitale Wandel beispielsweise in Begriffen wie Internet of Things, Künstliche Intelligenz, Augmented Reality, E-Commerce, E-Health, Cloud-Computing oder Crowd-Working.

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Werkheft 01: Digitalisierung der Arbeitswelt, 2016

Arbeiten 4.0 – Digitalisierung der Arbeitswelt

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wird die Arbeitswelt vernetzter, digitaler und flexibler. Neue Produkte und Dienstleistungen entstehen durch die verstärkte Mensch-Maschine-Kooperation sowie der steigenden Interaktion verschiedener Technologien. Aufgrund dieser grundlegenden Auswirkungen wird dem digitalen Zeitalter der Stellenwert einer digitalen Revolution zugeschrieben.

Die Bezeichnung „Arbeiten 4.0“ knüpft folglich an die bisherigen weitreichenden Umwälzungen der Gesellschafts-, Arbeits- und Wirtschaftsstrukturen an. Dabei liegt der Fokus von „Arbeiten 4.0“ auf neuen Arbeitszeiten, Arbeitsorten, Arbeitsformen oder Arbeitsverhältnissen in der gesamten Arbeitswelt.

Arbeiten 1.0: Ende des 18. Jahrhunderts wird die Industriegesellschaft durch die Errichtung mechanischer Produktionsanlagen mit Wasser- und Dampfkraft und der Bildung erster Arbeiterorganisationen eingeleitet.

Arbeiten 2.0: Ende des 19. Jahrhunderts wird die Elektrizität eingeführt, die arbeitsteilige Massenproduktion mit Akkord- und Fließbandarbeit setzt ein und Anfänge des Wohlfahrtsstaats sowie erste Sozialversicherungen entwickeln sich.

Arbeiten 3.0: Ab den 1970er Jahren schreitet die Automatisierung durch Mikroelektronik und Informationstechnologie zur Steuerung von Maschinen voran. Die ersten Personal-Computer entstehen, Robotertechnologien und das Internet halten Einzug, der Dienstleistungssektor nimmt zu, durch die Globalisierung öffnen sich neue Märkte und der Wettbewerbsdruck wird größer. Der Sozialstaat und die Arbeitnehmerrechte festigen sich auf Grundlage der sozialen Marktwirtschaft.

Industrie 4.0

Der Ausdruck „Industrie 4.0“ fokussiert im Gegensatz zum weiter gefassten Begriff „Arbeiten 4.0“ auf die Verzahnung der industriellen Produktion und Logistik durch intelligente und digital vernetzte Systeme und zielt vor allem auf die Branchen Automobilbau sowie Maschinen- und Anlagenbau ab. Virtuelle und reale Prozesse verschmelzen und ermöglichen eine weitestgehend selbstorganisierte Produktion. Durch die Kommunikation zwischen Mensch, Maschine, Logistik und Produktion durch IT und Sensoren können Daten kontinuierlich in Echtzeit generiert werden. Durch diese Ermittlung der Position, des Prozessstandes oder des Nutzungsverhaltens sind stark individualisierte Produkte sowie eine hoch flexible Wertschöpfungskette realisierbar.

Quelle: Forschungsunion Wirtschaft und Wissenschaft: Abschlussbericht des Arbeitskreises Industrie 4.0. Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0, 2012

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt

Im Zuge der Digitalisierung werden nicht nur die eingesetzten Technologien diskutiert, sondern auch die Chancen und Risiken der digitalen Transformation auf die gesamte Arbeitswelt. Wie die Arbeitswelt zukünftig aussehen wird, ist noch nicht abzusehen.

Technische Innovationen können neue Handlungsspielräume ermöglichen sowie die Eigenverantwortung der Beschäftigten und die Vernetzung von Wissen verstärken. Herausforderungen können die zunehmende Leistungsverdichtung und -kontrolle, die zeitliche Entgrenzung von Privat- und Berufsleben sowie Exklusionsrisiken durch mangelnde digitale Kompetenzen darstellen.

Diese noch offene Debatte rückt einige arbeitsmarktpolitische Handlungsfelder in den Blick. An Bedeutung gewinnen Strategien zur Verzahnung von Arbeitsschutz und betrieblicher Gesundheitsförderung sowie die Entwicklung von Konzepten und gesetzlichen Regelungen für neue Arbeitsformen und Arbeitsgestaltungsmaßnahmen. Ebenso werden an den digitalen Wandel angepasste Qualifizierungs- sowie Aus- und Weiterbildungsformate zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit diskutiert. Zudem wird die Gewährleistung des Datenschutzes sowie die Entwicklung ethischer Leitlinien mit Blick auf den Menschen im digitalen Prozess gefordert.

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Werkheft 01: Digitalisierung der Arbeitswelt, 2016

Digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen

Inwiefern ein Mensch mit Behinderung am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, ist abhängig von den individuellen Voraussetzungen sowie den länderspezifischen technischen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen.

Vor diesem Hintergrund können digitale Technologien vielfältige Einsatzmöglichkeiten für die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung bieten, um Funktionseinschränkungen zu kompensieren oder vorhandene Fähigkeiten zu unterstützen. Intelligente Assistenzsysteme und KI-getriebene Software (z. B. Texterkennungsgeräte, Spracheingaben, Augensteuerungen) sowie kollaborierende Leichtbauroboter (sog. Cobots) sind Anwendungsbeispiele bei motorischen oder sensorischen Beeinträchtigungen. Zudem ermöglicht die digitale Vernetzung flexible und mobile Arbeitsformen (z. B. Telearbeit, Crowd-Working), wovon beispielsweise Menschen mit chronischer Erkrankung, motorischen oder sensorischen Einschränkungen profitieren können.

Exklusionsrisiken können sich aus den veränderten Arbeitsprozessen ergeben, die schneller, anspruchsvoller, abstrakter und stärker visualisiert werden. Einfache Routinetätigkeiten oder Nischenarbeitsplätze könnten dadurch vollständig ersetzt werden. Bleiben diese weiter bestehen, könnte dies zu einer stärkeren Polarisierung in der Arbeitswelt führen.

Demzufolge wird auch hier Handlungsbedarf gesehen, um die berufliche Inklusion im digitalen Zeitalter zu fördern. Als Grundvoraussetzung wird die Schaffung einer barrierefreien Arbeitsumgebung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention gefordert. Dies umfasst den barrierefreien und souveränen Zugang zu IT-Technologien und Internet sowie die Schaffung kompatibler Schnittstellen mit Geräten und Software. Für den kompetenten IT-Umgang sind Qualifizierungsmaßnahmen und unterstützende Beratung erforderlich. Schließlich wird eine stärkere Kooperation zwischen Betrieben, Entwicklung und Forschung in Bezug auf assistive digitale Technologien empfohlen.

Quelle: Forschungsberichte des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, Band 467: Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung, 2016

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