Nachteilsausgleiche

Nachteilsausgleiche sind verschiedene Hilfen für behinderte und schwer­behinderte Menschen zum Ausgleich von behinderungs­bedingten Nachteilen oder von Mehr­aufwendungen, die sich nach der Art und Schwere der Behinderung richten (d. h., Nachteilsausgleiche sind abhängig vom Merk­zeichen und vom Grad der Behinderung (GdB)). Nachteils­ausgleiche sollen die gleich­berechtigte, selbst­bestimmte und eigen­verantwort­liche Teilhabe behinderter Menschen ermöglichen und fördern.

Überblick über die verschiedenen Nachteilsausgleiche

Merkzeichenabhängige Nachteilsausgleiche

Mehr zu den einzelnen merk­zeichen­abhängigen Nachteils­aus­gleichen/Ver­günstigungen siehe unter ► Merk­zeichen.

GdB-abhängige Nachteilsausgleiche

Mehr zu den einzelnen GdB-ab­hängigen Nachteils­aus­gleichen/Ver­günstigungen siehe unter ► GdB-abhängige Nachteils­ausgleiche.

Nachteilsausgleiche in Ausbildung und Beruf (arbeitsrechtliche Nachteilsausgleiche)

Nachteilsausgleiche beim Wohnen

Menschen mit Behinderung haben Anspruch auf verschiedene Leistungen, die dazu beitragen, geeigneten Wohnraum zu erhalten oder zu sichern. Nachteils­ausgleiche gibt es beispiels­weise bei der Wohnraum­förderung (bzgl. behinderungs­gerechter Umbau­maßnahmen), in Form von zins­ver­günstigten Darlehen oder Zuschüssen für den Bau oder Erwerbs eines Eigen­heims/einer Eigentums­wohnung und bei der Berechnung von Wohngeld.

Auskünfte erteilen die Wohnungs­ämter der Kreis- und Stadt­verwaltungen sowie die Wohngeld­stellen der Kommunen.

Nachteilsausgleiche bei der Mobilität

Menschen mit Behinderung haben – abhängig von Merkzeichen und GdB – Anspruch auf verschiedene Leistungen, die ihre Mobilität erleichtern und dies­bezügliche Nachteile ausgleichen:

  • unentgelt­liche Beförderung im öffentlichen Personen­nahverkehr (ÖPNV),
  • unentgelt­liche Beförderung einer Begleit­person,
  • ggf. Vergünstigungen im Fern­verkehr und Flug­verkehr,
  • ggf. Leistungen der Kraftfahrzeug­hilfe,
  • Park­erleichterungen,
  • unentgelt­liche Nutzung von Fahr­diensten der Gemeinden oder Wohlfahrts­verbände.

Mehr zu den einzelnen GdB-abhängigen Voraussetzungen für Nachteils­ausgleiche/Ver­günstigungen siehe unter ► GdB-abhängige Nachteils­ausgleiche.

Blindengeld, Blindenhilfe und Gehörlosengeld

Blinde und seh­behinderte Menschen sowie gehör­lose Menschen haben Anspruch auf spezielle finanzielle Unterstützungs­leistungen für Mehr­ausgaben, die ihnen aufgrund ihrer Behinderung entstehen

  • Landes­blindengeld
    Finanzielle Unter­stützung für blinde oder hochgradig sehbehinderte Menschen (nur in einigen Bundes­ländern). Das Landes­blindengeld wird unabhängig vom Alter, Einkommen und Vermögen gewährt und unter­scheidet sich je nach Bundesland in seiner Höhe.
  • Blindenhilfe
    Die Blinden­hilfe ist ein einkommens- und vermögens­abhängiger Nachteils­ausgleich, der als Teil der Sozialhilfe bundesweit geregelt ist. Die Blinden­hilfe wird nachrangig zum Landes­blindengeld gewährt. Ein Anspruch besteht nur bis zu einer bestimmten Einkommens­grenze.
  • Gehörlosengeld
    Finanzielle Unter­stützung für Menschen, die von Geburt an, aufgrund einer Krankheit oder durch einen Unfall gehörlos sind (nur in einigen Bundes­ländern). Das Gehör­losengeld wird unabhängig vom Alter, Einkommen und Vermögen gewährt und unter­scheidet sich je nach Bundesland in seiner Höhe.

Einen Antrag auf Landes­blindengeld oder Gehör­losengeld kann bei der Versorgungs­verwaltung gestellt werden. Ein Antrag auf Blinden­hilfe kann beim Sozialamt gestellt werden.

Steuervergünstigungen

Menschen mit Behinderung können entweder pauschali­sierte Beträge je nach Grad der Behinderung (GdB) oder die tatsächlich ent­standenen und nach­gewiesenen Aufwendungen steuer­mindernd geltend machen.

Zu den Steuervergünstigungen zählen beispiels­weise

  • Kinder­freibeträge,
  • erwerbsbedingte Kinder­betreuungs­kosten,
  • Pauschbeträge für Menschen mit Behinderung,
  • Pauschbeträge für Pflege­personen (Pflege­pauschbeträge),
  • Kraft­fahrzeug­steuer­ermäßigung und -befreiung,
  • absetzbare tat­sächliche Kosten für den Arbeitsweg.

Individuelle Auskünfte zu allen steuerlichen Ver­günstigungen geben die zuständigen Finanz­ämter sowie die Versorgungs­verwaltungen, sofern sie speziell die Behinderung betreffen. Für etwaige Hunde­steuern (Blinden­führhund, Assistenz­hund) ist die jeweilige Kommune zuständig.

Nicht-staatliche Nachteilsausgleiche

Auch eine Reihe von privaten Einrichtungen gewähren abgesehen von den verschiedenen Regelungen in Bundes- und Landes­gesetzen sowie kommunalen Satzungen diverse „freiwillige“ Nachteils­ausgleiche, beispiels­weise:

  • Eintritts­preis­ermäßigungen (z. B. für Filme, Theater, Sport­veranstaltungen, Museen),
  • Abteile und Sitze, die schwer­behinderten Menschen in Verkehr­smitteln vorbehalten sind,
  • bevorzugte Abfertigung in Ämtern,
  • Beitrags­ermäßigungen für Mitglieder von Vereinen, Interessen­verbänden etc.,
  • Spezial­tarife bei einigen Auto­herstellern.

Rechtsgrundlagen

(ml) 2018