Prüfungsmodifikationen

Nach Empfehlung des Bundes­instituts für Berufs­bildung (BIBB) sind bei der Durchführung von Abschluss- bzw. Gesellen­prüfungen von den Kammern oder auch bei Prüfungen im Hochschul­studium die besonderen Belange der körperlich, geistig und seelisch behinderten Menschen durch sogenannte Prüfungs­modifikationen zu berück­sichtigen. Nachteile, die jungen Menschen mit Behinderung in der Prüfungs­situation entstehen können, sollen mit dieser Möglichkeit ausgeglichen werden.

Prüfungsmodifikationen in der Berufsausbildung

Der Antrag auf einen Nachteils­ausgleich sollte von den Prüfungs­teilnehmer­innen und -teilnehmern rechtzeitig, jedoch spätestens mit der Anmeldung zur Abschlussprüfung bzw. dem Antrag auf Prüfungs­zulassung erfolgen.

Grundsätzlich gilt, dass Abweichungen bei den Prüfungen nicht den Inhalt der Prüfung betreffen dürfen. Prüfungs­leistungen behinderter Prüfungs­teilnehmer­innen und -teil­nehmer dürfen auch nicht besser beurteilt werden als bei anderen Prüflingen. Nachteils­ausgleiche beziehen sich stets auf die individuellen Besonder­heiten und Möglichkeiten von Prüflingen und sollen deren Chancengleichheit gegenüber nicht­behinderten Prüflingen wahren.

Prüfungsmodifikationen im Studium

Auch an den Hoch­schulen müssen Prüfungs­ordnungen die besonderen Belange behinderter Studierender zur Wahrung ihrer Chancen­gleichheit berücksichtigen (siehe § 16 Hochschul­rahmen­gesetz (HRG)). Das heißt, Studierende mit Behinderung oder mit chronischer Erkrankung können Prüfungs­modi­fikationen als Nachteils­ausgleich beantragen, wenn sie die Leistungen im Studium oder in Prüfungen behinderungs­bedingt nicht in der Form erbringen können, wie es vorgeschrieben ist.

Studierende mit Beeinträch­tigungen können auf Antrag praktische Teil­leistungen verändern, kürzen oder durch gleich­wertige andere Leistungen ersetzen. Der Antrag auf Veränderung muss rechtzeitig vor der Prüfung beim Prüfungsamt, dem Prüfungs­ausschuss bzw. bei der Prüferin oder dem Prüfer gestellt werden.

Beispiele für häufig beantragte Prüfungsmodifikationen

  • Verlängerung der Prüfungs­zeit, häufigere Pausen.
  • Besonderer Ort der Prüfung (beispiels­weise Durch­führung der Prüfung am eigenen, behinderungs­gerechten Arbeits­platz im Ausbildungs­betrieb).
  • Einsatz bstimmter technischer Hilfsmittel.
  • Mitbringen einer vertrauten Begleit­person zur psychischen Unterstützung.
  • Bei mündlichen Prüfungen Einsatz von Gebärden­sprach­dolmetscher­innen oder -dolmetschern.
  • Ablegen einer schriftlichen, statt einer mündlichen Prüfung.
  • Mehr Zeit für das Bearbeiten von einzelnen Studien­leistungen (Klausuren oder Hausarbeiten) und Prüfungen.
  • Veränderung des gesamten Zeitraums, in dem bestimmte Studien­leistungen und Prüfungs­leistungen erbracht werden müssen.
(ml) 2017