Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

Psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen sind im Gegensatz zu anderen Behinderungsarten „unsichtbar“ und nicht immer medizinisch messbar. Von einer ernsthaften psychischen Erkrankung spricht man, wenn Denken, Fühlen, Wahrnehmung und Handeln über einen längeren Zeitraum verändert sind. Häufige Krankheits­bilder sind zum Beispiel Angststörungen, Depressionen, Bipolare Störungen, Persönlichkeits­störungen, Psychosen oder Zwangsstörungen. Psychische Erkrankungen gehören mit zu den häufigsten Ursachen von Arbeits­unfähigkeit.

Phasenhafter Verlauf psychischer Erkrankungen

Typisch für psychische Erkrankungen ist ihr (im Unterschied zu anderen Behinderungen) phasenhafter Verlauf. Relativ unbeein­trächtigte Lebens­abschnitte können abrupt oder schleichend durch Phasen akuter Krankheit unterbrochen werden oder in Phasen einge­schränkter Belastbarkeit übergehen.

Beispiele für die Vielfalt der möglichen Störungen:

  • Erhöhte körperliche und seelische Erschöpfung, erhöhtes Schlaf­bedürfnis; Minderung von Spannkraft, Ausdauer, Schwung, Elan, Geduld; Einbuße an Frische und Unmittelbarkeit; Gefühl erhöhter Anstrengung bei normalen Verrichtungen oder beim Umgang mit Menschen;
  • Vegetative Störungen im Bereich des Essens und der Verdauung; Herz-Kreis­lauf­beschwerden; Veränderungen der Speichel-, Schweiß- und Talg­drüsen­sekretion; Libido- und Menstruations­störungen; oft übermäßiger Nikotin- und Alkoholgenuss;
  • Störungen der Wahrnehmung in Form von Über­empfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen, sensorische Überwachheit und Fesselung durch Wahrnehmungs­details;
  • Kognitive Störungen im Bereich des Kurz- und Langzeit­gedächtnisses und der Konzentration; häufige Neigung zum Grübeln, Einbuße an Naivität und Unbefangenheit, Entschluss­schwäche mit Impulsverarmung und Unfähigkeit, Unwichtiges zu übersehen;
  • Soziale Störungen in Form von mangelnder Kontakt­fähigkeit und Neigung zu sozialem Rückzug, aber auch in Form von Distanz­losigkeit;
  • Störungen der Affekte und Gefühle in Form von Verstimmungen, der Unfähigkeit, sich zu freuen, dem Gefühl der Gefühl­losigkeit; oft bestehen eine erhöhte Erregbarkeit und Beein­druckbarkeit, beispielsweise durch Witterungs­empfindlichkeit; Verlust von Selbstvertrauen, in Verbindung mit einer erhöhten Verletzbarkeit gegenüber bestimmten Stressoren, wie zum Beispiel Unter-/Über­forderung, soziale Kränkungen und Ungerechtigkeit.

Soziale Probleme

Psychisch erkrankten Menschen sieht man ihre Krankheit meistens nicht an. Im Umgang mit anderen können jedoch Schwierig­keiten auftreten, weil psychisch Erkrankte oft anders reagieren, als man es in der jeweiligen Situation erwartet. Vielfältige Störungen des Erlebens drücken sich beispielsweise in Stimmungs­schwankungen, Einschränkungen der Initiative und Ausdauer sowie verminderter Kontakt­fähigkeit aus. Die Bandbreite psychischer Erkrankungen reicht von leichten Formen mit geringen, über lange Zeit gleich bleibenden Verhaltensauffälligkeiten bis zu schweren Störungen, die eine wiederholte stationäre Behandlung erfordern.

Psychische Erkrankungen und Beruf

Bei der Berufswahl psychisch erkrankter Menschen ist es ratsam, sich z. B. von den Fachkräften der Agenturen für Arbeit und deren Ärztlichen bzw. Psycho­logischen Diensten beraten zu lassen. Die Wahl des richtigen Berufs ist abhängig von den persönlichen Interessen, dem Schul­abschluss und der individuellen Situation.

Bei psychisch erkrankten Menschen ist der Einstieg in die Berufswelt jedoch häufiger von Rückschlägen und Abbrüchen bedroht. Eine eingehende Unter­suchung der individuellen Belastbarkeit und der sozialen Eingliederungs­fähigkeit sollte helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Auch psycho­soziale Beratungs­stellen und Selbst­hilfe­gruppen bieten Hilfen bei Fragen zur Berufswahl an und unterstützen bei Problemen während der Berufs­ausbildung, um Ausbildungs­abbrüche bereits im Vorfeld möglichst zu vermeiden.

Rechtsgrundlagen

(ml) 2017