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Praxisbeispiel
Beschäftigungssicherungs-Zuschuss in einem fleischverarbeitenden Unternehmen

Wo lag die Herausforderung?

Die Frau hat eine Rückenerkrankung und hat Probleme mit ihren Arm- und Beinbewegungen aufgrund einer Gelenkerkrankung, weshalb sie nicht schwer heben sowie tragen und Bückbewegungen vermeiden sollte. An ihrem Arbeitsplatz waren entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Um einseitige Dauerbelastungen der Beschäftigten zu vermeiden, lösen sich diese nach einem festen Rhythmus an den verschiedenen Arbeitsplätzen ab. Der Arbeitgeber ist bereit Überlegungen anzustellen, ob im Zusammenhang mit der Beschaffung einer Kartonfalzmaschine, unter Einbeziehung des Bedarfs anderer Abteilungen. ein neuer Arbeitsplatz für die Mitarbeiterin geschaffen werden kann.

Schlagworte und weitere Informationen

Der Arbeitgeber erhält vom Integrations- bzw. Inklusionsamt einen Beschäftigungssicherungszuschuss zum finanziellen Ausgleich der außergewöhnlichen Belastungen durch die verringerte Leistung. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Das Unternehmen stell mit seinen 35 Beschäftigten speziell Tiefkühlprodukte für Restaurants und Imbissbetriebe her.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau hat eine Rückenerkrankung und eine Funktionseinschränkung der Arme und Hände hervorgerufen durch eine Gelenkerkrankung. Behinderungsbedingt sollte sie keine Hebe- oder Tragearbeiten ausführen - Bückbewegungen sollten ebenfalls vermieden werden. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 50.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau hat keinen Beruf erlernt. Sie hat lange bei einem anderen Unternehmen gearbeitet. Eine Weiterbeschäftigung bei ihrem jetzigen Arbeitgeber war aufgrund der vorliegenden Behinderungen und der Schwere der dort zu verrichtenden Arbeiten nicht mehr möglich. Aus diesem Grund wurde sie in ein Tochterunternehmen versetzt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Mitarbeiterin ist im Zweischichtbetrieb an einem Produktionsband für die Zubereitung und Verpackung von küchenfertigen Schnitzeln eingesetzt. Beschäftigt sind an dem Produktionsband pro Schicht sechs Frauen, die nach einem Prämiensystem entlohnt werden. Die Höhe der Prämie richtet sich nach der durchgelaufenen Fleischmenge. Pro Doppelschicht werden etwa 14 Tonnen Fleisch verarbeitet, was einem Durchsatz von etwa 100 Schnitzeln mit einem Gewicht von 150 Gramm pro Minute entspricht. Die Tätigkeiten Auflegen, Vorsortieren, Kontrollieren und Einsortieren erfordern bei den hohen Arbeitsgeschwindigkeiten eine völlige Konzentration auf die Arbeitsvorgänge und eine außergewöhnliche Fingerfertigkeit. Das Wiegen und Palettieren der ca. 1000 Kartons pro Schicht mit einem Gewicht von etwa 7 kg ist mit hohem körperlichen Kraftaufwand durch das ständige Heben und Tragen in häufig gebückter Körperhaltung verbunden. Lediglich das Vorbereiten (Falzen und Aufstellen) und das Zukleben der Kartons sind leichte, anspruchslose Tätigkeiten ohne besonderen Zeitdruck. Um einseitige Dauerbelastungen der Beschäftigten zu vermeiden, lösen sich diese nach einem festen Rhythmus an den verschiedenen Arbeitsplätzen ab. Aufgrund ihrer Behinderungen ist die Mitarbeiterin nicht in der Lage, umfangreiche Hebe- und Tragearbeiten oder ständig wiederkehrende schnelle Hand- und Armbewegungen auszuführen. Außer zum Vorbereiten und Zukleben der Kartons kann die Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe nicht eingesetzt werden, da die Arbeitsleistung der gesamten Gruppe dann deutlich zurückgeht. Selbst bei langsamer gestelltem Band muss sie nach wenigen Stunden wegen Erschöpfung und auftretender Schmerzen die Arbeit einstellen. Selbst das Vorbereiten der Kartons bereitet der Mitarbeiterin nach eigener Aussage bereits Schwierigkeiten. Diese Arbeiten möchte sie jedoch weiter ausführen, da sie auf ein regelmäßiges Einkommen angewiesen ist.
Das Falzen, Aufstellen und Verkleben der Kartons kann durchaus maschinell erfolgen. Als für sie denkbare Tätigkeiten verblieben dann nur noch das Einlegen der Kartonzuschnitte und das Entnehmen und Ablegen der fertig vorbereiteten Kartons. Eine derartige Maschine ist aber mit 1000 Kartons pro Schicht bei weitem nicht ausgelastet und auch aus Platzgründen in dem vorhandenen Arbeitsraum nicht ohne weiteres unterzubringen. Andere geeignete Arbeitsplätze für die Mitarbeiterin sind in dem Unternehmen nicht vorhanden. Durch das ausschließliche Verkleben der Kartons ist die Mitarbeiterin nur zu etwa 40 Prozent ausgelastet, durch das zusätzliche Vorbereiten der Kartons (was die anderen Mitarbeiterinnen bisher nebenbei erledigen) ist eine Auslastung bzw. Arbeitsleistung von bestenfalls 50 bis 60 Prozent gegeben.
Der Arbeitgeber ist bereit Überlegungen anzustellen, ob im Zusammenhang mit der Beschaffung einer Kartonfalzmaschine, unter Einbeziehung des Bedarfs anderer Abteilungen. ein neuer Arbeitsplatz für die Mitarbeiterin geschaffen werden kann. Kurzfristig kann eine Entscheidung in dieser Hinsicht aber nicht erwartet werden. Mit einer Vorbereitungs-, Planungs- und Beschaffungszeit von mindestens einem Jahr muss gerechnet werden.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Dreipunktgriff
  • ERGOS - Fingergeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgreifkraft
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Schlüsselgreifkraft
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Akkord-/Prämienlohn
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Hand-/Fingerbewegungen
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Schichtarbeit
  • IMBA - Tragen
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

R/PB4675


Informationsstand: 12.06.2007