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Dokumentart(en): Zeitschriftenbeitrag
Rechtsprobleme bei der Verwendung von MdE-Tabellen

Bibliographische Angaben

Autor/in:

Spellbrink, Wolfgang

Herausgeber/in:

k. A.

Quelle:

Der Medizinische Sachverständige (MedSach), 2018, 114. Jahrgang (Heft 6), Seite 228-234, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0025-8490

Jahr:

2018

Der Text ist von:
Spellbrink, Wolfgang

Der Text steht in der Zeitschrift:
Der Medizinische Sachverständige (MedSach), 114. Jahrgang (Heft 6), Seite 228-234

Den Text gibt es seit:
2018

Inhaltliche Angaben

Abstract:

Das steht in dem Text:

Die Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) ist ein wesentlicher Faktor zur Bestimmung der Höhe der Verletztenrente in der gesetzlichen Unfallversicherung. Das Gesetz stellt in § 56 Absatz 2 SGB VII die Höhe der MdE gleichrangig auf zwei Faktoren ab. Das sind die Beeinträchtigungen des körperlichen Leistungsvermögens und die verminderten Arbeitsmöglichkeiten auf dem gesamten Gebiet des Erwerbslebens. Um diese beiden Faktoren für jeden Einzelfall bestimmen zu können, werden so genannte MdE-Tabellen erstellt, die sich in der Rechtswirklichkeit durchgesetzt haben und wie materielle Rechtsnormen angewendet werden.

Durch sie wird Rechtssicherheit und eine gleichmäßige Rechtsanwendung erreicht, jedoch sind sie rechtsstaatlich problematisch, da der Gesetzgeber hier in einem zur Verwirklichung der Grundrechte wesentlichen Bereich die notwendigen Regelungen nicht selbst trifft. Im Lichte der Wesentlichkeitstheorie des BVerfG ist daher § 56 Abschnitt 2 SGB VII verfassungsrechtlich zweifelhaft, da die Auswahl der Autorenschaft der Tabellen nicht vorgegeben wird, sodass praktisch jedermann qua Selbstakklamation zum Urheber beziehungsweise zur Urheberin von MdE-Tabellen werden kann.

Der Beitrag mahnt daher ein Tä̈tigwerden des Gesetzgebers an. Erfolgt diese nicht, so wird die Rechtsprechung die MdE-Tabellen weiterhin anwenden (müssen), allerdings nicht mechanisch wie Normen, sondern in reflektiertem Bewusstsein der verfassungsrechtlichen Problematik der Tabellen. Eine Ersetzung der MdE durch eine einheitliche Verwendung des Begriffes "Grad der Schädigungsfolgen" ist nach der gegenwärtigen Rechtslage nicht möglich und auch nicht zielführend, weil hierdurch grundlegende Unterschiede zwischen den einzelnen Normsystemen "Versicherung" und "Versorgung" außer Acht gelassen werden.

Wo bekommen Sie den Text?

Der Medizinische Sachverständige (MedSach)
https://www.medsach.de

Weitere Informationen zur Veröffentlichung

Der Medizinische Sachverständige (MedSach)
https://www.medsach.de

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Legal problems with the use of MdE tables

The reduction in earning capacity (Minderung der Erwerbsfähigkeit - MdE) is a key factor in determining the amount of industrial injury benefit in statutory accident insurance. According to Section 56 (2) of the German Social Code Book VII (SGB VII), the law relies in equal measure on two factors for the level of MdE: impairment of physical capacity and reduced opportunities for employment in every area of working life. In order to determine both of these factors in every individual case, MdE tables have been created which have become established as a legal reality and dictate how substantive norms are applied. Whilst it is true that legal certainty and a consistent application of the law have been achieved as a result of this, MdE tables are problematic in terms of the rule of law as the legislative body itself has not made the necessary rules in an area that is essential for the realisation of basic rights. In the light of the essentiality theory of the Federal Constitutional Court (Bundesverfassungsgericht BVerfG) Section 56 (2) SGB VII is therefore dubious in terms of constitutional law if the law itself makes no provision for the procedure or the authorship of the tables, so that virtually anyone can claim to be the creator of the tables. The article therefore reminds the legislator to take action. If this is not done, case law will (have to) continue to apply the MdE tables not mechanically in the sense of norms, however, but in a reflective way that shows an awareness of the problems posed by the tables in terms of constitutional law. The replacement of the MdE with a standardised use of the term level of damage effects is neither possible nor constructive in the current legal situation, as basic differences between the insurance and care norm systems are not taken into account as a result.

Referenznummer:

R/ZS0151/0211

Informationsstand: 19.11.2018